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Der Matratzen-Krieg: Sind Emma, Bruno, Bodyguard und Co. wirklich besser?

In der Bundesrepublik herrscht Krieg! Jedenfalls was den guten Nachtschlaf angeht. Den Eindruck kann man aktuell jedenfalls beim Durchstöbern des Internets gewinnen. Da wettern Hersteller von sogenannten "Anti-Kartell-Matratzen" gegen große, altbekannte Markenmatratzenfabrikanten und es schießen Shops aus dem virtuellen Boden, die oftmals nur ein Produkt im Angebot haben – aber das hat es in sich. Schließlich ist es eine Matratze, die nicht nur in der Regel günstiger ist als die Waren der etablierten Anbieter, sondern wirklich jedem Schläfer zur perfekten Nachtruhe verhelfen soll … Aber kann das stimmen? Erfahrungen.de hat recherchiert, was die "One Fits All"-Unterlagen so drauf haben.

Von Mythen, Matratzen und angeblich mafiösen Zuständen …

"Ich mache Ihnen ein Angebot, das Sie nicht ablehnen können …", flüsterte Marlon Brando damals mit bedeutungsschwangerer Stimme in seiner Paraderolle als Mafiaboss in "Der Pate". Einen ähnlichen Eindruck könnten Internet-User gewinnen, wenn sie sich im Netz auf die Suche nach einer neuen Matratze machen: Allerorten schießen Webstores aus dem Boden wie Pilze nach dem Regen und überbieten sich mit aggressiver Werbung.

Kaum ein Besuch bei Facebook ist mehr möglich, ohne von Anzeigen etwa für Matratzen der Marke eve verführerisch angeblinkt zu werden. Andere Hersteller positionieren sich regelrecht als Revoluzzer, die eine Art Kreuzzug gegen vermeintliche Kartelle in der Möbel- und Schlafwarenbranche führen, beispielsweise der Händler bett1.de, der sein Produkt "Bodyguard" als "Anti-Kartell-Matratze" bewirbt. Was alle Shops meist einheitlich versprechen: Eine einerseits im Vergleich mit den renommierten Produzenten – wie beispielsweise Schlaraffia oder Dunlopillo und Co. (Waren z.B. erhältlich bei https://www.erfahrungen.de/schlafwelt-de) – günstige Bettunterlage. Andererseits soll damit endlich die oftmals aufwendige Suche nach der passenden Matratze ein Ende haben, denn bei den auf den Markt drängenden Startups passt angeblich ein Modell für alle noch so unterschiedlichen Schläfer-Typen.

Die Matratzen sind kaum zu unterscheiden

Interessanterweise ähnelt sich beim genaueren Hinsehen das Konzept der Händler der neuartigen Matratzen aus Schaumstoff auf frappierende Weise – nicht nur, dass sie beinahe alle liebevoll einen eigenen (Vor-)Namen bekommen haben, wie etwa Emma, Casper, Bruno, eve, Simba, Joko, Felix, Otty, Leesa oder Paul-Paula - hier sieht auch nahezu alles gleich aus: die Ware und ebenso die Internetauftritte. Denn zumeist wird nur ein Produkt angeboten, die Einheitsmatratze, bzw. maximal noch ein paar nützliche ergänzende Bettwaren wie etwa Topper und Bettwäsche.

Werbung aus der "Verschwörungstheoretiker-Kiste"?

Eine ganz besondere Werbestrategie wählte dabei der Betreiber von bett1.de, um auf sein Produkt, die Bodyguard-Matratze, aufmerksam zu machen und sich auf dem Markt zu positionieren. Bei dem, was nun kam, sollte man sich eine Tüte Chips holen und sich entspannt zurücklehnen, denn es entstand ein Handelskrimi, der den finalen Minuten eines Wimbledon-Matches alle Ehre gemacht hätte.

Adam Szpyts Bodyguard-Matratze erhielt bei einer Überprüfung durch Stiftung Warentest im Jahre 2015 die Wertnote 1,8 und das Urteil "Eine allseits empfehlenswerte Matratze". Die Begründung der Warentester: Die "Bodyguard" sei leicht, robust und frei von Schadstoffen sowie auch für schwerere Personen geeignet. Damit landete sie auf der ewigen Bestenliste der bis dato von der Stiftung Warentest geprüften Bettunterlagen auf Platz 1 (als "die beste jemals getestete Matratze"). Zumal die Bodyguard auch bereits für 199 € erhältlich ist – im Gegensatz zu den Waren der Konkurrenz, die bei etwa 400-1.000 € liegen. Im Herbst 2017 konnte das Modell bei einem weiteren Test erneut einen vorderen Platz erringen.

Aber jetzt ging der Spaß erst richtig los: Szpyt bewarb sein Modell von nun an nicht nur als "Deutschlands Beste", sondern aufgrund des niedrigen Preises auch als DIE Anti-Kartell-Matratze. Im Jahr 2012 hatte das Bundeskartellamt gegen den Produzenten Schlaraffia ein millionenschweres Bußgeld verhängt, weil dieser Händlern, die die Bettwaren der Firma unter der vereinbarten Preisspanne verkauften, mit Lieferverzögerungen gedroht hatte. Wenig später erging es dem renommierten Unternehmen Metzeler ähnlich; diese Ermittlungen wurden von Szpyt angeregt. Auch der Hersteller der Bodyguard-Matratze, der zuvor einen Onlineshop u.a. mit Produkten dieser Unternehmen betrieben hatte, sah sich als Opfer des Kartells an. Tatsächliche Schikanen gegen ihn sind jedoch nicht belegt. Fortan aber bewarb er sein Produkt, auf das er sich von nun an konzentrierte, als "Anti-Kartell-Matratze" - was wiederum Anlass für Gerichtsprozesse gab … Fazit: Auch mit Stand Juli 2018 bewirbt der Shop bett1.de die Bodyguard noch so.

Die Ursache für den Matratzen-Hype

Angefangen hat eigentlich alles mit Casper – genauer mit dem amerikanischen Start-up, das die gleichnamige Matratze vertreibt. Der hohe Bekanntheitsgrad des mit ca. 70 Millionen Dollar finanzierten US-Unternehmens hängt unter anderem damit zusammen, dass mehrere Prominente es mit ihrem Geld unterstützen. Neben den Schauspielern Leonardo DiCaprio und Tobey Maguire gehört auch Adam Levine (Frontmann von "Maroon 5") zu den Finanziers. Die Idee dahinter: Eine einzige Matratze, die sich aber jedem Körper anpasst. Und damit wurde den alteingesessenen Produzenten mit ihrem System aus zahlreichen Unterlagen mit unterschiedlichsten Stärken und Zonen der Kampf angesagt.

Der Vorreiter: Casper

Auch in Deutschland ist dieser Trend angekommen: Allerorten begegnen einem inzwischen im Internet Shops mit einem ähnlichen Konzept. Hier gibt es eine Matratze, die angeblich für jeden – egal ob schwer oder leicht, Seiten- oder Rückenschläfer – passt. Zum Paket gehören in der Regel eine kostenfreie Lieferung in einer Vakuum-Box (Bed-in-the-Box-Prinzip, d.h. die kleingepressten Schaumstoff-Matratzen entfalten sich zu Hause selbst zu voller Größe), 100 Tage Probeliegen und eine gratis Rücksendung. Ergänzt wird das etwas schmale Sortiment teilweise durch Produkte "drum herum" – Decken, Topper, Kopfkissen o.ä. Bei der Vielzahl der Webstores entsteht der Eindruck, dass die Zeiten endgültig vorbei sind, in denen jeder Schlaftyp die speziell auf ihn zugeschnittene Unterlage brauchte, um guten und erholsamen Schlaf zu genießen. Zumal häufig auch intensiv mit einem niedrigeren Preis als für Matratzen der altbewährten Hersteller geworben wird - was allerdings nur zum Teil tatsächlich zutrifft.

Schäume für Träume

Der Stoff, aus dem die Matratzen-Träume sind, ist in der Regel ein Schaum. Abgesehen von den guten, alten Federkernmatratzen (in denen tatsächlich kleine Federn verbaut werden, die diese etwas härter machen, aber dadurch auch für schwerere Personen geeignet sind), bestehen die Bettunterlagen heutzutage nämlich in der Regel aus mindestens einer Schaumschicht, so auch die "One Fits All"-Matratzen. Das Angenehme dabei: Die Online-Firmen informieren in der Regel ausführlich darüber, welche Materialien für ihre Produkte genutzt werden und wie die jeweilige Zusammensetzung konkret ist. Die gängigsten Schaumarten sind derzeit der Memory- oder auch Viskoschaum (bzw. Viscoschaum) sowie der Latex- und Kaltschaum. Aber was versteckt sich hinter diesen Begriffen?

Kaltschaum – erst pfui, dann hui

Hierbei handelt es sich um einen Schaumstoff, der in einem Block gegossen wird. Durch die unregelmäßige, offenporige Struktur sind diese Matratzen stark atmungsaktiv und reagieren besonders elastisch auf Druckbelastung, d.h. sie gehen sofort wieder in den eigentlichen Zustand zurück. Sie sind sehr haltbar und haben eine "Lebenserwartung" von bis zu 10 Jahren.

Der wichtigste Nachteil: der Geruch. Gerade zu Beginn dünsten Kaltschaummatratzen einen chemischen Geruch aus, der eine Begleiterscheinung der Herstellung ist. Dieser verfliegt aber nach einiger Zeit und ist nicht gesundheitsschädlich. Des Weiteren sind Kaltschäume zwar äußerst anpassungsfähig, aber andere Schaumarten sind noch deutlich besser. Außerdem benötigen sie für eine optimale Elastizität entweder einen federnden Lattenrost oder sollten mit einer weiteren Schaumschicht kombiniert werden.

Latexschaum – leider nichts für Allergiker

Hier ist das Herstellungsverfahren umgekehrt: Eine Latexmischung wird in eine Stahlform gegossen und dann erhitzt. Dadurch entstehen die typischen Belüftungskanäle in den Matratzen, die für eine extrem gute Atmungsaktivität sorgen. Auch Latexschäume reagieren mit einer hohen Elastizität auf punktuellen Druck. Da sie aus Naturmaterialien bestehen, sind sie zudem sehr umweltfreundlich. Neben einem zu Beginn ebenfalls möglicherweise unangenehmem Geruch sind diese Unterlagen allerdings nicht geeignet für Personen mit einer Latexallergie. Eine Alternative stellen dann z.B. der patentierte Avena-Schaum (Leesa-Matratze) dar oder Simbatex (Simba-Matratze), die in ihren Eigenschaften dem Latex sehr nahe kommen.

Memory-/Viskoschaum – Raumfahrttechnik für eine gute Nacht

Das Besondere an dieser Schaumart: Sie wurde eigentlich von der NASA für die Raumfahrt erfunden. In der Beschleunigungsphase beim Start lasten auf den Astronauten enorme Kräfte, daher war ein Material gefragt, das über besonders gute Druckentlastungseigenschaften verfügt und hochelastisch ist – voilà! Der Viskoschaum war geboren! Er passt sich besonders gut an den Körper an, reagiert dabei langsam (was Bewegungen des Partners gut absorbiert!) und kann Wärme sehr gut speichern. Gerade für Schläfer, die schnell frieren, sind solche Schäume daher gut geeignet; im Gegenzug sind sie allerdings nichts für Personen, die nachts stark schwitzen. Durch die Absorption der Bewegung kann es zudem etwas mühsam sein, sich umzudrehen. Manche berichten daher, es fühle sich an, als würde man auf Treibsand schlafen … Beachtet werden sollte zudem, dass Memoryschaum wenig Gegendruck bietet und daher dieses Material immer in Kombination mit einem guten Basisschaum verbaut werden sollte.

Ein besonders bekannter und hochwertiger Vertreter von Bettunterlagen aus Memoryschaum sind die bekannten TEMPUR®-Matratzen. Aber auch bei den günstigen "One Fits All"-Produkten sind Varianten dabei, in denen dieses Material verbaut ist: etwa eve, Leesa, muun, Emma, Simba oder Casper.

QX-Schaum® - Kaltschaum 2.0

Auch auf dem Markt ist der sogenannte QXSchaum®, ein Polyurethanschaum (PUR), der von bett1.de für die Bodyguard-Matratze entwickelt wurde. Er gewährleistet laut Stiftung Warentest eine gute Körperunterstützung, sanftes Einsinken und ist atmungsaktiv. Des Weiteren ist das Material langlebig und die Entstehung von Liegekuhlen wird verhindert.

PUR oder PU-Schaum, auch als Polyetherschaum bezeichnet, ist mit dem Kaltschaum verwandt. Bei ihm handelt es sich um ein besonders vielseitiges Material, das sehr stabil, langlebig und kostengünstig ist sowie auf unterschiedliche Arten gefertigt werden kann (Härtegrade, elastisch bzw. spröde). Als "Montageschaum" findet er etwa in der Fenstermontage oder bei der Herstellung von Armaturenbrettern Anwendung, weichere Varianten (sogenannter "Komfortschaum") werden für Sitze und Matratzen genutzt.

Da der fertige Polyetherschaum wenig anpassungsfähig ist, wird er bei hochwertigen Matratzen lediglich als Basisschaum verwendet und in Kombination mit guten Oberschichten (etwa Memory- oder Latexschaum) verbaut. Günstige Varianten verzichten teilweise oder komplett darauf. Je nachdem, wie hochwertig die Materialien sind, die zur Herstellung des Polyetherschaums eingesetzt werden, und wie sorgfältig bei der Produktion und der weiteren Verarbeitung damit umgegangen wird, kann die Qualität stark variieren. Letzten Endes lässt sich dies aber nur im Laufe der Benutzung genau festgestellen.

… und der Rest:

Weitere auf dem Markt befindliche Schaumarten sind beispielsweise der hochwertige Pantera-Schaum (wird für die Muun-Matratze genutzt) sowie Faser-Gelschaum, bei dem für die verschiedenen Körperzonen unterschiedliche Materialien eingesetzt werden. Das heißt: Im Kopf- und Halsbereich ist Faserschaum verbaut, der gut stützt, die Liegefläche des Körpers besteht hingegen aus Gelschaum, um so für eine gute Druckentlastung zu sorgen.

Hand aufs Herz: Was können Bruno, Casper & Co. wirklich?

Auch bei den "One Fits All"-Matratzen gibt es große Preisunterschiede: Für die Größe: 2 m x 1,40 m variieren die Kosten zwischen ca. 550 und 650 €, lediglich die Bodyguard unterbietet dies (329 €). Maßgeblich sind hier natürlich die jeweils verbauten Materialien: Während die Bodyguard letztlich "nur" aus 2 Schichten PUR-Schaum besteht, werden bei den anderen eben auch hochwertigere Schäume verbaut. Des Weiteren legen die Anbieter Wert darauf, dass ihre Modelle komplett selbst entwickelt und (fast immer) in Deutschland hergestellt werden. Lohnt es sich wirklich, eine solche Matratze zu kaufen? Richtungsweisend kann hier ein kurzer Vergleich der bekanntesten Modelle sein.

Bodyguard – flexibel dank Wendekonzept

Diese Matratze des Herstellers bett1.de, beworben u.a. als "Anti-Kartell-Matratze", ist die günstigste der angesagten Schlafunterlagen. Es gibt 2 Varianten mit unterschiedlichen Härtegraden (H2 / H2+ und H3 / H4), wobei auch bei den beiden Formen jeweils 2 Härtegrade möglich sind – und zwar einfach durch Umdrehen der Matratze (stabile Wendeschlaufen sind vorhanden). Möglich macht es das System: Denn es werden stets 2 unterschiedlich feste elastische QXSchäume® kombiniert, in die 5 verschiedene Liegezonen integriert sind (Kopf, Nacken, Schulter, Lordose und Becken). Dadurch ist sichergestellt, dass einige Körperregionen besser gestützt werden und andere stärker einsinken können; dies erlaubt eine angenehme Nachtruhe sowohl für Seiten-, Rücken- oder Bauchschläfer. Der Matratzenbezug ist aus atmungsaktivem HyBreeze-Material.

Da es sich bei der H2 / H2+ Variante um eine eher weiche bis mittelfeste Unterlage handelt, ist sie vornehmlich für Personen bis 70 kg geeignet, darüber sollte man eher zu der H3 / H4 Matratze greifen. Aber auch hier ist ab einem bestimmten Körpergewicht Schluss.

Des Weiteren ist die Bodyguard gerade einmal 18 cm stark; abgesehen davon, dass diese Höhe als ungewohnt empfunden werden kann, kann es dadurch zu Problemen mit den Maßen der üblichen Bettrahmen kommen. Und wer holt sich schon gerne blaue Flecke von der Bettumrandung?!

Casper – diese Matratze ist an allem "schuld"

Die in den USA entwickelte Casper Matratze ist der Ursprung des aktuellen Matratzen-Hypes. Als sie 2014 an den Start ging, wurden in kürzester Zeit Unterlagen im Wert von über 1 Million U.S.-Dollar verkauft. Verantwortlich war sicher auch das neuartige Vertriebsprinzip: nur online erhältlich, die Lieferung als Bed-in-the-Box (in einem 1,50 m hohen Kasten), ein zugesicherter Testzeitraum von 100 Tagen und bei Nichtgefallen eine kostenfreie Abholung.

Die Casper Matratze für den deutschen Markt wird auch in Deutschland hergestellt; sie besteht aus insgesamt 4 Schaumschichten und ist 24 cm hoch. Die oberste Schicht ist aus hochwertigem Latexschaum, der wiederum aus synthetischem und natürlichem Latex besteht. Darunter befinden sich mehrere Zentimeter weicher Viskoschaum; durch die Kombination mit dem festeren Latex ergibt sich so ein mittelweiches Liegegefühl. Es folgt eine dünnere Lage Polyetherschaum, die die hochwertigen Schäume mit der dicken Basisschicht (ebenfalls aus PU-Schaum) verbindet. Dieser ist verantwortlich für die Stabilität der Matratze und gewährleistet eine längere Lebensdauer. Der abnehm- und waschbare Bezug besteht vor allem aus Polyester (99 %), für Flexibilität sorgt die Beimischung von Elasthan. Auch bei der Casper ist zu Beginn mit chemisch riechenden Ausdünstungen zu rechnen.

Casper ist eine mittelfeste Matratze und somit gleichermaßen für leichte als auch schwere Personen geeignet. Letztere könnten die Unterlage allerdings als etwas härter empfinden, wenn sie durch das höhere Gewicht (ab ca. 110 kg) tiefer einsinken (auf die unteren Basisschichten). Besonders deutlich wird dies in Seiten- oder Rückenlage. Durch die Kombination von Latex- und Memoryschaum ist das Schlafklima der Casper als sehr angenehm zu werten. Da die Latexschicht zuoberst ist, absorbiert die Matratze nicht so viel Wärme und man kommt auch nicht so ins Schwitzen im Schlaf (minderwertige Memoryschäume speichern Körperwärme!). Zudem wird so auch das Gefühl vermieden, sich nicht richtig drehen zu können oder in der Unterlage zu versinken ("Treibsand").

Emma – nichts für Schwergewichte

Hersteller und Vermarkter der Emma Matratze ist ein deutsches Start-up-Unternehmen mit Sitz in Frankfurt am Main. Das Konzept lehnt sich deutlich an das der amerikanischen Casper Matratze an. Auch die Emma besteht aus mehreren Schichten unterschiedlicher hochwertiger Schäume, insgesamt sind es 3. Basis ist eine Lage aus stabilem Kaltschaum, der den Körper zuverlässig stützt und den Rücken entlastet. Da in diese Schicht eine spezielle Schulterzone eingearbeitet wurde, kann der Schulterbereich genügend einsinken, was für Bequemlichkeit sorgt. Darüber befindet sich ein Viskoschaum, die oberste Schicht allerdings ist aus Airgocell, einem patentierten Schaum, der einerseits Komfort gewährleisten soll als auch andererseits eine gute Druckverteilung. Der graue Bezug der Emma besteht vor allem aus Polyester (Topcover: 98 % Polyester, 2 % Elasthan, Seitenbezug 100 % Polyester).

Durch die Nutzung von Airgocell und Memoryschaum, beides recht weiche Schäume, als obere Schichten, entsteht ein recht weiches Liegegefühl, insofern ist diese Unterlage vor allem für leichte Personen geeignet bzw. für solche, die gerne weich liegen. Diese erwartet in allen Schlafpositionen guter Liegekomfort.

eve – seit Neuestem kein Versand mehr nach Deutschland

Matratze mit frischer Optik: eve

Die eve Matratze mit ihrem hippen gelb-weißen Bezug (aus Polyester (98%) sowie Dorlastan (2%), sehr dünn und luftdurchlässig) wird von dem Londoner Hersteller eve sleep vertrieben, 2016 kam sie auch auf den deutschen Markt und wurde bald auch in Bayern produziert. Dieser Umzug ergab sich aufgrund der ersten Überprüfung durch Stiftung Warentest, bei der die eve mit mangelhaft bewertet wurde und deshalb durchfiel. K.-o.-Kriterium war gewissermaßen die damalige Produktion in Großbritannien. Denn da die Matratze dort hergestellt wurde, musste sie auch den dortigen Regeln genügen – sprich: Sie enthielt Flammschutzmittel, wie in England für derartige Waren vorgeschrieben, was Grund für Stiftung Warentest war, die eve negativ zu bewerten. Schließlich gilt dieses als krebserregend. Die Hersteller haben prompt reagiert: Inzwischen stammt nur noch der charakteristische Bezug aus England, der Rest wird in Deutschland produziert. Update: Seit August 2018 versendet der Händler nicht länger nach Deutschland und konzentriert sich nur noch auf den Heimatmarkt im Vereinigten Königreich sowie auf Frankreich.

Auch die eve besteht aus 3 unterschiedlichen Schaumschichten – bei einer Gesamthöhe von 25 cm. Die oberste Lage besteht hier allerdings aus Memoryschaum, was besonders empfehlenswert ist für Leute, die unter Rücken- und Nackenschmerzen leiden. Hochwertiger Memoryschaum, wie er in dieser Matratze verarbeitet ist (erkennbar am sehr hohen Raumgewicht!) passt sich nicht nur gut der Körperform an, sondern gewährleistet neben einer gleichmäßigen Verteilung des Körpergewichts auch die Reduzierung von Druckspitzen. Ein weiterer angenehmer Nebeneffekt bei der eve: Diese Unterlage ist durch den Viskoschaum als oberste Schicht außerdem gut geeignet für Paare, denn dieser "leitet" Bewegungen nicht bzw. nur in sehr geringem Maße weiter. Die Bewegungen des Partners sind dadurch also kaum zu merken. Die mittlere Lage besteht aus großporigem Kaltschaum, der sehr atmungsaktiv ist und zudem potentiell entstehende Wärme gut weiterleitet. Für die Basisschicht wird Polyetherschaum genutzt, der für Stabilität sorgt.

Die eve ist eine mittelfeste Matratze, die sowohl für unterschiedlichste Schlafstellen (von Paletten über Boxspring bis hin zum traditionellen Lattenrost) geeignet ist, als auch für sämtliche Schlaftypen. Sie ist konzipiert für Personen mit einem Gewicht bis etwa 114 kg.

Bruno – optimal für Schwebefreunde

Liegegefühl "schwebend", Festigkeit "mittelhart" – so wird die Matratze Bruno beworben, die ein Berliner Unternehmen fertigt. Auch diese Unterlage ist nur online erhältlich, die Konditionen sind mit denen der anderen Modelle vergleichbar. Lediglich in Sachen Testschlafen gewährt der Hersteller hier nur 30 Tage Zeit.

Bruno: Schlafen wie auf Wolken

Die 24 cm hohe Matratze besteht aus insgesamt 2 Schaumlagen: Oben befindet sich eine Schicht aus Latex (gefertigt aus Naturkautschuk), sie ist besonders weich und vermittelt das spezielle, für die Bruno typische Gefühl des Schwebens. Außerdem sorgt sie für eine sehr gute Gewichtsverteilung und Federung. Dank der Lochung der Latexschicht ist die Matratze zudem äußerst atmungsaktiv. Als Basis dient eine Lage aus stabilem Kaltschaum, die allerdings in 7 Zonen unterteilt ist und somit die Wirbelsäule gut entlastet. Der Bezug der Bruno besteht komplett aus Baumwolle, dagegen sind die grauen Seitenbezüge und der Unterstoffbezug aus Polyester.

Laut Hersteller eignet sich diese mittelfeste Unterlage am besten für Schläfer mit 50 bis 110 kg Körpergewicht, aufgrund der Basis aus Kaltschaum mit dem 7-Zonen-Konzept ist sie aber auch gut für schwerere Personen geeignet. Da man auf ihr nicht so tief absinkt, wird die Körperwärme gut abgeleitet und man schwitzt beim Schlafen nicht so stark. Dies wird durch den Kühleffekt des Latex' noch unterstützt – sehr angenehm in heißen Sommernächten!

Simba - löwenstarkes Schlafgefühl?

Der Hersteller der Simba Hybrid Matratze stammt aus England. Dieses Modell wurde basierend auf Daten von 10 Millionen Menschen und 180 Körperprofilen entwickelt und besteht aus 2500 konischen Taschenfedern, die sich dem Körper perfekt anpassen, sowie aus 5 Schaumschichten, einer Stützbasis, 7 Zonen (die optimale Strapazierfähigkeit gewährleisten), einer Schicht aus Visco-Memory-Schaum sowie einer Schicht aus dem speziell entworfenen Simbatex (ein synthetisches Latex, das zur Kühlung und sanften Unterstützung des Körpers dient).

Genau wie die anderen "One Fits All"-Matratzen ist auch die Simba angeblich für jeden Schlafenden - unabhängig von Körpermaßen und Schlaftypus - perfekt geeignet (das maximale Gewicht wird allerdings mit 114 kg pro Person beziffert). Härtegrade existieren keine - im Vergleich zu den anderen Modellen kann die Simba-Matratze allerdings als "mittelfest" eingeordnet werden. Oder wie es die Hersteller selbst beschreiben: "Nicht zu hart, nicht zu weich, genau richtig".

Otty – die Variante speziell für Paare?

Tatsächlich drängt sich ein wenig der Verdacht auf, dass die Otty-Matratze speziell für Paare konzipiert wurde – oder alternativ für Eltern, bei denen die lieben Kleinen gerne mal mit ins Bett krabbeln. Denn die Otty mit ihrem schicken, modernen Design ist nur in großen Abmessungen erhältlich. Zudem punktet diese Unterlage aufgrund ihres speziellen Innenlebens mit einer nur sehr geringen Bewegungsübertragung, d.h. wälzt sich der Mitschläfer einmal unruhig herum, so ist dies für einen selbst kaum bemerkbar.

Entwickelt wurde die Otty-Matratze wie auch die eve in England und ist dort vor allem bei jüngeren Menschen ein besonders beliebtes Modell. Zumal sich der Hersteller mit Sitz in Leeds (Yorkshire) sozial stark engagiert; beispielsweise arbeiten im Warenhaus in Leeds nur Menschen mit Behinderung und retournierte Matratzen werden nach einer Reinigung an wohltätige Organisationen gespendet.

Die Otty ist eine weiche bis mittelweiche Matratze, die somit eher für leichte bis maximal mittelschwere Personen geeignet ist. Auch sie ist aufgebaut aus mehreren Schichten, für die diverse Schäume kombiniert werden. In diesem Fall wird auf die Verbindung von Memoryschaum sowie Gelschaum gesetzt; während der Memoryschaum eine hohe Anpassungsfähigkeit an den Körper des Schläfers bietet und dabei zugleich durch eine gute Speicherung von Körperwärme für ein wohliges Gefühl sorgt, sorgt der Gelschaum auch noch für eine höhere Luftdurchlässigkeit, was wiederum das Schlafklima positiv beeinflusst. Die Kombination beider Schäume wiederum gewährleistet eine hohe Druckpunktentlastung, sodass die Otty sogar für Menschen mit orthopädischen Problemen geeignet ist. Die für dieses Modell typischen hohen Seitenabstützungen aus offenzelligem Schaumstoff sorgen dabei für eine gute Belüftung und optimieren zugleich die Stabilität der Otty.

PS: Otty ist übrigens ein schwedischer Mädchenname … ;)

Leesa – eine Allrounderin im besten Sinne

Der Name dieser Matratze verrät es eigentlich bereits: Hier haben die Schläfer es nicht mit einer "gewöhnlichen" Lisa zu tun – sondern können sich auf eine elegantere Version einer Bettunterlage freuen. Schon die Optik sticht aus der Masse heraus: Statt des bei vielen Matratzen üblichen Bezuges im Einheits-Weiß, kommt die Leesa in einem edleren Silbergrau daher, mit 4 weißen Streifen. Fast zu schick eigentlich, um sie unter einem Laken zu verstecken.

Und auch der Aufbau der Leesa verrät, dass man es hier mit einer hochwertigen Schlafstatt zu tun hat: Neben einem 15 cm starken Basisschaum wird auf den bewährten Memoryschaum zurückgegriffen (in diesem Fall auf eine hochwertige Variante) sowie auf den patentierten Avena-Schaum. Der stabile Basisschaum sorgt auch bei der Leesa für die erforderliche Stabilität und beugt einer Kuhlenbildung vor. Der Memoryschaum wiederum sorgt nicht nur für ein angenehm-wohliges Liegegefühl, sondern passt sich der Körperform des Liegenden an und sorgt für die nötige Druckentlastung. Beim Avena-Schaum handelt es sich wiederum um ein Material, das in seinem Eigenschaften dem Latex sehr ähnlich ist – es kühlt gut, ist angenehm weich und dabei sehr stabil und langlebig. Zusammengenommen ergeben die Schäume ein ansprechendes Liegegefühl, das mit dem von deutlich teureren Modellen vergleichbar ist.

In Tests wird die eigentlich aus den USA stammende Leesa, die allerdings inzwischen auch in Deutschland gefertigt wird, dadurch vielfach als das Modell gefeiert, das dem Ideal einer Allrounder-Matratze am nächsten kommt. Mit ihrem mittelweichen Liegegefühl passt sie tatsächlich zu den meisten Schläfertypen und kann durch eine gute Punktelastizität (und somit eine hohe Druckentlastung) auch bei Personen mit orthopädischen Problemen eine erholsame Nachtruhe sicherstellen. Paare sind durch ein gutes "Nachschwingverhalten" (also eine generell geringe Weiterleitung von Bewegungen) ebenfalls gut bedient.

Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt bei der Leesa, da sind sich die Fachleute einig – aber gibt es vielleicht dennoch einen Wermutstropfen? Tatsächlich ja. Wer nachts stark schwitzt, wird sich eher weniger wohlfühlen, die Luftdurchlässigkeit könnte noch etwas besser sein. Unruhige Schläfer werden auch den Memoryschaum nicht sonderlich mögen, da er einem tendenziell die Liegeposition vorgibt und sich nicht direkt an eine neue anpasst. Außerdem gibt es im Hinblick auf den schicken Polyesterbezug ein Manko: Er ist nicht maschinenwaschbar (wie bei den anderen online angebotenen Matratzen üblich). Laut Herstellerangaben sollte er lediglich per Hand und mit lauwarmem Wasser gereinigt werden – ansonsten leiden das Material und der Bezug.

Die richtigen Matratzen für "spezialgelagerte Sonderfälle"

Doch wie ist es mit der Auswahl der passenden Unterlage, wenn der Schläfer sozusagen nicht dem berühmten Otto-Normal-Verbraucher (mittelalt, mittelschwer) entspricht? Denn tatsächlich müssen bei Kleinkindern und "Best Agern", also älteren Menschen, andere Maßstäbe bei der Auswahl angesetzt werden.

Optimaler Liegekomfort für Senioren?

Wer beim Wochenendbesuch eine Nacht in Omas Bett verbringen musste, der kennt vielleicht auch dieses Gefühl am nächsten Morgen: Man arbeitet sich kreuzlahm aus dem persönlich viel zu weichen Bett und hat den Rest des Tages mit Kopfschmerzen zu kämpfen. Suboptimal für einen selbst – aber Senioren haben tatsächlich andere Bedürfnisse, wenn es um eine angenehme Nachtruhe geht. Ursache hierfür: Die körperlichen Veränderungen, die mit dem Altern einhergehen. Neben einer allgemein größeren Höhe des Bettes (für einen leichteren Ein- und Ausstieg) werden auch weichere Unterlagen bevorzugt, zumal bei längerem Liegen oftmals der gefürchtete Dekubitus droht. Dennoch sind Matratzen mit einem geringeren Härtegrad nicht die Lösung aller Probleme, denn sie bilden meist schnell Liegekuhlen und unterstützen die Wirbelsäule, den Kopf und das gesamte Skelett wiederum nicht genügend, sodass auch hier Rückenschmerzen beim Aufwachen vorprogrammiert sind. Optimal sind Varianten mit einer weichen Auflage- und einer stabilen Basisschicht. Die Bodyguard-Matratze beispielsweise verfügt über eine relativ dünne Lage aus weicherem Schaum, unter der ein festeres Material den Körper stützt.

Am besten geeignet für Senioren sind somit Latexmatratzen mit ihrem "schwimmenden" Liegegefühl, wie es etwa das Produkt von brunobett.de aufweist. Aber auch hochwertige Kaltschaummatratzen, die eine Körperzonen-Einteilung bieten, sind gut geeignet. Für kranke und bettlägerige Personen, bei denen potentiell die Gefahr eines Wundliegens besteht, sollte allerdings eher eine Viskoschaum-Unterlage in Betracht gezogen werden, wie beispielsweise die Modelle Leesa, Otty oder Emma. Wichtig bei der Auswahl: Unbedingt längeres, intensives Probeliegen einplanen, denn das Wohlfühlgefühl entscheidet - am besten in Ruhe zu Hause. Darüber hinaus sollten die Matratzen für Senioren möglichst leicht sein, da dies z.B. das Bettbeziehen erheblich vereinfacht. Besonders vorteilhaft ist hier wiederum die Bodyguard, diese lässt sich durch ihr geringes Gewicht leicht handhaben, zumal sie auch noch über praktische Wendeschlaufen verfügt.

Babys mögen's gesund

Im Gegensatz dazu stehen bei der Auswahl von Matratzen für Babys und Kinder neben dem Liegekomfort auch Sicherheitsaspekte im Vordergrund. Denn gerade der liebe Nachwuchs stellt da besondere Anforderungen an seine Schlafstätte.

Gerade Eltern von Neugeborenen und Säuglingen wollen alles 100 % richtig machen, damit es den Kleinen gut geht und sie sich wohlfühlen, sie werden umsorgt, gehegt und gepflegt. Bei der Babykleidung und -pflege ist dies noch recht einfach: Diese sollen aus möglichst natürlichen Stoffen hergestellt sein, frei von Chemikalien und Schadstoffen und möglichst zart zu empfindlicher Kinderhaut. Doch in Bezug auf geeignete Matratzen tauchen schnell viele Fragen auf. Fakt ist: Auch Matratzen für den Nachwuchs sollten frei von schädlichen Stoffen sein, denn die Kleinen liegen direkt darauf, zum Teil sogar nackt, und sind damit den Chemikalien gegebenenfalls unmittelbar ausgesetzt – durch Einatmen oder Hautkontakt. Prüfsiegel etwa von der Stiftung Warentest bieten hier bei der Orientierung und Auswahl wertvolle Hilfe.

Optimaler Härtegrad für Babys?

Im Hinblick auf die heikle Frage nach dem Härtegrad sollte Folgendes beachtet werden: Einerseits nicht zu hart, denn so entsteht schnell ein unangenehmer Druck auf Muskeln und Gelenke, der einen guten Schlaf verhindert. Schließlich weist die Wirbelsäule anfangs noch nicht die typische S-Form auf, sondern ist gerade. Andererseits Finger weg von zu weichen Unterlagen! Denn hier sacken die Kinder durch ihr Gewicht schnell zu tief ein. Da die Kleinen zudem häufig auf dem Bauch liegen, kann dies sogar gefährliche Auswirkungen haben. So scheinen zu weiche Matratzen eine Ursache für den plötzlichen Kindstod zu sein, denn wenn die Kinder auf dem Gesicht liegen, kann es passieren, dass sie zu viel CO2 einatmen und so womöglich ersticken. Insofern ist ebenfalls davon abzuraten, festere Unterlagen mit Kissen oder Polstern vermeintlich "gemütlicher" zu machen. Auch Schimmelsporen stehen dafür in Verdacht, daher sollte stets eine gute Atmungsaktivität gewährleistet sein, damit Schwitzfeuchtigkeit sich nicht sammelt, sowie die Möglichkeit besteht, die Matratze schnell und einfach zu wenden und zu reinigen. Denn bei den Kids gibt es schnell mal das eine oder andere Maleurchen …

Während Liegezonen durch das in den ersten Jahren zu geringe Einsinken des Körpers noch nicht wichtig sind (erst ab ca. 15 Jahren), sollte bei einer Kindermatratze auf eine Trittkante geachtet werden. Ansonsten kann es beim Ein- und Aussteigen – oder beim Toben – schnell passieren, dass die Füßchen abrutschen.

"One Fits All" passt nicht für die Kleinen

Gerade Kaltschaummatratzen können vielfach die genannten Kriterien erfüllen, jedoch sollte hier vor der ersten Benutzung unbedingt eine ausreichende Belüftung sichergestellt werden. Wer seinem Nachwuchs eine rundum gute Nachtruhe bescheren möchte, wird schnell feststellen, dass die "One Fits All"-Matratzenanbieter diese Zielgruppe offenbar nicht im Fokus haben. Die Modelle der großen Produzenten stehen nämlich meist nur mit einer Länge von 200 cm zur Verfügung, lediglich die Breite variiert. Jedoch spricht bei sämtlichen Formen eigentlich nichts dagegen, die Kleinen für eine Kuschelrunde oder auch mal eine Nacht mit ins Elternbett zu nehmen. Schließlich sind eigentlich sämtliche Modelle mit atmungsaktiven, waschbaren Bezügen ausgestattet, die zudem sehr angenehm und weich auf der Haut sind.

Eine Ausnahme stellt allerdings der Anbieter "Simba" dar, der eine spezielle Matratze für Babybetten im Sortiment hat. Dank der Kombination aus einem Taschenfederkern (der in Schaumstoff eingebettet ist) und einem sehr weichen Anti-Allergie-Bezug ist diese Unterlage sogar schon für Neugeborene geeignet.

Von schlechten Gerüchen und noch fehlenden Perspektiven

Soweit die Theorie – aber ist die Bestellung einer solchen "One Fits All"-Unterlage wirklich empfehlenswert? Schließlich kauft man hier die Katze im Sack. Tatsächlich stellt sich bei genauerem Hinsehen heraus, dass die als optimale Matratzenlösung für jedermann von der Werbung bejubelten Unterlagen durchaus so ihre Eigenheiten haben … Und da man sie erst bestellen muss, um sie probezuliegen, und ein direkter Vergleich mit den Konkurrenten unmöglich ist, stellt sich das oftmals leider erst später heraus.

Wie bereits mehrfach angemerkt, handelt es sich bei dem prägnanten "One Fits All" vor allen Dingen um ein Werbeversprechen. Diese Matratzen sind zwar bestimmt für viele Schläfer geeignet, aber ab ca. 90 kg aufwärts ist das schon so eine Sache … Emma und Casper beispielsweise sind nichts für schwerere Schläfer, auch die Nachrüstung mit einem Topper, wie hin und wieder vorgeschlagen wird, kann hier in der Regel wenig dran ändern. Am wohlsten fühlen sich mit den Einheits-Matratzen sicherlich Leute, die um die 60-70 kg wiegen. Alle anderen müssen gegebenenfalls Abstriche in Sachen Schlafkomfort in Kauf nehmen.

Viele Besteller erschrecken auch über den strengen chemischen Geruch, den die Schaummatratzen zu Beginn ausdünsten, obwohl sie doch laut Hersteller schadstofffrei sind und ja auch den OEKO-TEX-Standard erfüllen. Tatsächlich sind die störenden Ausdünstungen aber anfangs normal und nicht gesundheitsschädlich. Die Matratzen sollten daher möglichst nicht direkt benutzt werden, sondern erst einige Zeit in einem gut belüfteten Raum zwischengelagert werden. Mit 2 Wochen Wartezeit ist man hier definitiv auf der sicheren Seite.

Langfristige Erfahrungen fehlen noch

Auch in Sachen Langlebigkeit können die Matratzen durchaus noch einige Überraschungen bereithalten, schließlich sind sie erst kurz auf dem Markt. Daher muss sich erst noch zeigen, ob sie wirklich halten, was sie versprechen. Tatsache ist allerdings, dass für die günstige Bodyguard-Matratze etwa weniger hochwertige Schäume verarbeitet werden, als in den anderen vorgestellten Unterlagen. Daraus resultiert auch der deutlich niedrigere Preis der Bodyguard.

Die Sache mit dem Testen …

Alles kein Problem, sollte man meinen, schließlich versprechen alle Onlineshops, dass die Matratzen längere Zeit ausgiebig probegeschlafen werden können – und bei Nichtgefallen einfach abgeholt werden. So weit, so gut. Tatsächlich aber gibt es durchaus Fälle, wo es schon zu Problemen gekommen ist. Unter dem Aktenzeichen VIII ZR 194/16 beschäftigt sich beispielsweise der Bundesgerichtshof in Karlsruhe aktuell mit dem Thema Rückgabe von Matratzen innerhalb der Probezeit. Normalerweise kein Problem und durch die gängigen Regelungen zum Widerrufs- bzw. erweiterten Rückgaberecht eigentlich abgedeckt … eigentlich! Der Knackpunkt hierbei: Der Kunde hatte zum Probeschlafen die Versiegelung der Matratze entfernt (ist ja auch so unbequem und weit entfernt von atmungsaktiv …), daher wurde die Rücknahme verweigert. Der Händler beruft sich dabei auf die Regel des europäischen Verbraucherschutzrechts, nach der Artikel von der Rückgabe ausgeschlossen sind, bei denen die Versiegelung geöffnet wurde (z.B. Hygieneprodukte, angebrochene Lebensmittel, CDs, Computerspiele). Die Richter in Karlsruhe haben hierzu den Europäischen Gerichtshof um eine Stellungnahme gebeten, die Entscheidung kann sich somit also noch eine Weile hinziehen. Bis dahin sollte man sich also am besten vor einer Bestellung versichern lassen, dass die Matratze auch ohne störende Schutzfolie ausgiebig ausprobiert werden kann.

Was macht denn nun guten Schlaf wirklich aus?

Alle wollen ihn, aber nur wenige kriegen ihn: den perfekten Schlaf. Schließlich verbringen wir rund 1/3 unserer Lebenszeit damit. Tatsache ist aber, dass er von mehreren Kriterien abhängt. Das Internet ist voll mit guten Tipps für die richtige "Schlafhygiene" – sie reichen von "Gehen Sie nicht hungrig ins Bett" über "Reduzieren Sie den Konsum koffeinhaltiger Getränke" bis hin zu "Nehmen Sie Ihre Probleme nicht mit ins Bett". Die Grundvoraussetzung für eine erholsame Nachtruhe ist aber nach wie vor die richtige Matratze – und "richtig" heißt in diesem Fall: Eine Unterlage, die zu meinem ganz persönlichen Schlaftyp (und natürlich auch zu meinem Budget!) passt. Wir haben hier ein paar Tipps zusammengestellt, die helfen sollen, die optimale Matratze zu finden.

Der Härtegrad: Von Fliegen- und Schwergewichten und den richtigen Unterlagen

Vorab: Dies ist zu einem großen Teil Geschmackssache. Der Eine mag es lieber weich, der Andere bevorzugt festere Unterlagen, in die er nicht so tief einsinkt. Nr. 3 hätte gerne von jedem etwas. Tatsache ist aber, dass Menschen ab 80 kg Körpergewicht sich meist mit einer härteren Matratze, die dadurch auch mehr Stabilität aufweist, wohler fühlen. Leichtere Personen sind besser beraten, wenn sie zu einer weicheren Form greifen – diese sollte aber nicht zu flexibel sein, denn dies kann zu Rückenschmerzen führen. Da es sich hier zu einem großen Teil um persönliche Vorlieben handelt, ist intensives Probeliegen unterschiedlicher Matratzen immer noch der beste Ratgeber.

Bruno: Perfekt für den Winterschlaf?

Schlafposition: Die Matratze muss zum Typ passen

Bauch-, Rücken- oder doch lieber Seitenlage? Menschen unterscheiden sich nicht nur anhand der Haar- und Augenfarbe, auch die bevorzugte Schlafposition ist absolut individuell. Während einer lieber auf dem Rücken liegt, findet es der Nächste auf dem Bauch am besten. Ein Mittelding ist die Seitenlage. Auch die Lieblingsschlafposition ist ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl einer Matratze, gerade die günstigeren Vertreter sind z.B. nicht für alle Liegevarianten gleichermaßen geeignet. Wichtig ist es, eine Unterlage zu wählen, die die natürliche Lage der Wirbelsäule gut unterstützt, dies garantieren etwa Matratzen mit integrierten Liegezonen, die das Absinken von Körperteilen ermöglichen, bei denen dies nötig ist.

Warm oder kalt? Das ist nachts die Frage

Die Frage aller Fragen: eher Frostbeule oder Atomreaktor? Während die einen nachts schnell mal frieren, gibt es andere, die am liebsten direkt auf die Bettdecke verzichten würden. Entscheidend ist daher, dass die Matratze also auch das jeweils richtige Schlafklima sicherstellt. Angenehm warm sind alle Unterlagen, bei denen eine Memoryschaumschicht integriert ist. Eher kühl sind dagegen Matratzen, die aus besonders atmungsaktiven Materialien bestehen (z.B. Latex).

Allein oder zu zweit? Paare brauchen spezielle Lösungen

Noch einen Hauch kniffeliger wird es, wenn die Matratze nicht nur für einen selbst sein soll, sondern auch der Partner bzw. die Partnerin mit im Bett schläft. Hier gibt es 2 Möglichkeiten: Entweder wählt man eine große Unterlage, in der Viskoschaum verarbeitet ist (da dieser Bewegungen nicht "leitet", sind die Bewegungen des Partners dann kaum zu merken). Oder man schafft sich 2 Matratzen mit den jeweils bevorzugten Härtegraden an und überbrückt die Besucherritze mit einer sogenannten "Liebesbrücke" (eine passgenaue Abdeckung).

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Stefanie Gräf

Fazit

Bed in the Box? Ja, aber …

Es soll ja Menschen geben, die quasi in jeder Lebenslage schlafen können – sogar auf dem steinharten Fußboden, einem unbequemen Autositz oder an die Wand gelehnt. Aber das ist nicht die Regel und für eine wirklich erholsame Nachtruhe darf es dann schon ein wenig mehr Komfort sein. Nachdem die Kunden die letzten Jahre durch Debatten rund um ergonomisch optimale Schlafunterlagen (zu entsprechend exklusiven Preisen!) regelrecht eingeschüchtert worden sind, schlug das Pendel die letzten Jahre genau in die gegenteilige Richtung aus. Inzwischen ist Einfachheit Trumpf! Die heutigen Matratzen kommen direkt aus dem Internet bequem nach Hause, sollen für alle Schläfer passen und dabei noch langlebig sein (jedenfalls behauptet das die Werbung) …

So schön sich das auch liest – die Wahrheit liegt wie so oft irgendwo in der Mitte. Ja, es gibt sehr gute Matratzen zu mittleren Preisen, in denen auch hochwertige Materialien verarbeitet sind. Insofern sind sie sicherlich um Längen besser als die alte, durchgelegene Unterlage, die noch von Opi stammt, oder die Luftmatratze aus dem letzten Campingurlaub. Mitnichten sind sie aber für alle Schläfer geeignet, spätestens bei einem höheren Körpergewicht ab etwa 90 kg wird es auf vielen doch schon unbequem. Zudem sind gerade bei den besonders preisgünstigen Vertretern nicht die hochwertigsten Schäume verarbeitet, weshalb letztlich die Zeit zeigen wird, was sie langfristig wirklich taugen. Nach wie vor ist das alles entscheidende Kriterium daher das Probeliegen – und wer feststellt, dass er sich nicht wohlfühlt auf der Unterlage, sollte von seinem Rückgaberecht auf jeden Fall Gebrauch machen! Der Pate jedenfalls hätte hier sicherlich keine Skrupel ...

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Kommentare (4)

LW

Lukas Wächter

Zu dem Lattenrost: Ich habe sehr gute Erfahrungen mit ganz einfachen Lattenrosten gehabt, bei mir ist die Matratze viel wichtiger, da liegt man ja auch direkt drauf.
Dann muss sie aber auch komfortabler und dicker sein und nicht so plump und hart wie die Bodyguard (letzte Matratze). Bin jetzt auch wieder auf der Suche! Danke für die großartige Übersicht

MO

Maria Osterhagen

Vielen Dank für den langen und sehr hilfreichen Artikel. Ich habe lange nach einer Babymatratze für meinen Sohn gesucht und bin bei der Emma Kids fündig geworden. Sie hat all die wichtigen Kriterien oben im Artikel erfüllt und ich und mein Kleiner schlafen gut :)

HM

Heike Milbrandt

@ UK: Irgendwo müssen auch diese Matratzen natürlich draufgelegt werden. Aber der Hersteller, z. B. von Bett1 sagt ganz klar: Da die Matratzen (im Übrigen auch von anderen, teuren Herstellern) genau auf die verschiedenen Körperzonen ausgerichtet sind, macht ein gutes (meist teures) Lattenrost keinen Sinn. Ein Rost dient nur der Belüftung und kann demzufolge die billigste Rollrost-Variante sein. Eine Entlastung der Schulterzone im Rost UND in der Matratze führt demnach eher zu negativen Folgen.

UK

Ulf Karatsch

Alles schön und gut, aber meiner Meinung nach gehört zu einer guten Matratze ein ebenso gutes Lattenrost. Für mein Bett hat dieses genauso viel gekostet wie die Matratze selber.
Funktionieren diese "neuen" Matratzen nun ohne Lattenrost, oder bieten die Anbieter auch eigene Lattenroste an? Weil nicht jeder Rücken ist gleich.....

Aber viele Dank für den Aufschlussreichen Artikel.