Gut gerüstet auf allen Wanderpfaden

Gut gerüstet auf allen Wanderpfaden: 7 Tipps für den Kauf von Outdoor-Ausrüstung

geschätzte Lesezeit: ca. 9 Minuten

Was früher als Freizeitbeschäftigung für Menschen mittleren und fortgeschritteneren Alters galt, immer versetzt mit einem Hauch Spießigkeit, ist längst eine regelrechte Trendsportart geworden: Wandern erfreut sich seit nunmehr einigen Jahren wachsender Popularität. Es ist Ausgleich zum Alltag, Naturerlebnis und physische Herausforderung und liegt dabei im Spektrum zwischen kürzeren Tageswanderungen und mehrwöchigem Survival Trip. Trotz dieser unterschiedlichen Voraussetzungen und Herangehensweisen bleibt – neben einer ausreichenden körperlichen Verfassung – die Notwendigkeit einer guten Ausrüstung ein übergreifend gültiger Grundsatz.

Kein Sonntagsspaziergang

Richtiges Wandern oder Trekking hat mit den gemütlichen Sonntagsspaziergängen, die gerne mal unter diese Begrifflichkeit gefasst werden, in der Tat wenig zu tun. Ein sicheres Indiz für das Aufblühen der einstigen Freizeitbetätigung zum ernstzunehmenden Outdoor-Sport ist die Flut an Ausrüstungsartikeln, die der moderne Wanderer – vermeintlich – benötigt. Das ist selbstverständlich auch dadurch bedingt, dass Trekking ab einer gewissen Dauer der Wanderungen ein zunehmend materialintensives Hobby wird.

Allerdings besteht darin, besonders für Einsteiger, die erste Herausforderung: Die Frage, was genau es für den Anfang wirklich braucht und was tatsächlich zum unnützen Ballast verkommen könnte, ist nämlich so leicht nicht zu beantworten. Die Ausrüstung muss individuell angepasst und auf klimatische Bedingungen, die Länge der Wanderung und natürlich persönliche Vorlieben zugeschnitten werden. Was wiederum nicht bedeutet, dass es nicht doch verschiedene grundlegende Aspekte zu beachten gilt, wenn das Equipment zusammengestellt wird.

Tipp 1: Beschränken auf das Notwendige

Nur weil die Auswahl fast unüberschaubar groß ist, braucht es längst nicht alles, um eine Wanderung unversehrt zu überstehen. Nicht ohne Grund lautet das Motto unter Wanderern "So wenig wie möglich, so viel wie nötig". Dabei geht es nicht allein um Gewichtsfragen oder tatsächlichen Nutzen, denn das "Weniger ist mehr" greift auf verschiedenen Ebenen:

  • Preise: Hochwertige und langlebige Wanderausrüstung geht für gewöhnlich einher mit entsprechend hohen Preisen. Da wird jedes Stück Ausrüstung schnell zu einem erheblichen Kostenfaktor.

  • Nutzen: Technische Hilfsmittel zur Standortbestimmung oder Filtersysteme für die Trinkwasserbereitung sind in bestimmten Situationen sinnvoll – aber oft genug auch nur da. Was gleich zum nächsten Punkt führt.

  • Gewicht: Eine sorgfältige Auswahl der Dinge, die mit auf die Wanderung gehen, ist auch unter dem Gesichtspunkt der körperlichen Zumutbarkeit wichtig. Jedes Ausrüstungsteil bedeutet zusätzliches Gewicht. Für sich genommen womöglich nicht der Rede wert, zusammen im Rucksack aber häufig eine echte Belastung.

Tipp 2: Individuelle Bedürfnisse beachten

Dieser Ratschlag hängt eng mit Tipp 1 zusammen, denn jeder muss selbst einschätzen, was bei den individuellen Bedürfnissen unter "notwendig" zu verstehen ist. Deswegen sollte bei allen Empfehlungen, die man in Blogs und Ratgebern nachlesen kann, immer die Frage gestellt werden, inwieweit die betreffenden Ausrüstungsteile den eigenen Plänen nutzen können. Blindes Vertrauen in die Ratschläge von Experten und Freunden ist daher nicht ratsam.

Tipp 3: Investieren in das Grundsätzliche

Bevor Zeit und Geld daher für Zubehör aufgewendet werden, sollten sie besser in solide Basis-Teile fließen – und das dürften unter dem Strich sehr viel weniger sein, als das große Sortiment an Outdoor-Ausrüstung suggerieren mag. Am wichtigsten sind nämlich in erster Linie die Schuhe und der Rucksack.

Gut gerüstet auf allen Wanderpfaden

Das klingt selbstverständlich und sollte aus genau diesem Grund nicht ignoriert werden. Schuhwerk und Rucksack sind auf (Fern-)Wanderungen viele Stunden täglich im Einsatz, also ist es eine unverrückbare Bedingung, dass man sich mit ihnen wohlfühlt. Schlechtsitzende Schuhe und ein unbequemer Rucksack erweisen sich sonst in vergleichsweise kurzer Zeit als unangenehme Belastung für den Körper – mit Folgen von Blasen an den Füßen bis zu schweren Rückenschmerzen.

Der Wohlfühlfaktor zählt selbstverständlich auch für die übrige Outdoor-Bekleidung. Deren Zusammenstellung hängt allerdings ganz von der jeweiligen Situation ab: Ob lange oder kurze Hose, Softshell- oder Hardshell-Jacke sind daher keine so elementaren Entscheidungen, wie die für Schuhe und Rucksack.

Tipp 4: Problemzonen-Check beim Schuhwerk

Weil es ohne Wanderschuhe nun einmal im wahrsten Sinne nicht geht, sollte beim Kauf die notwendige Sorgfalt aufgebracht werden. Wenn man täglich zwischen 5 und 10 Stunden in den Wanderschuhen verbringt, muss man sich einfach sicher sein, dass diese wirklich passen. Punkt 1 beim Schuhkauf wäre daher der Zeitfaktor, damit übereilte Entscheidungen ausgeschlossen werden können. Darüber hinaus ist zu beachten:

  • Die Schuhe sollten ein paar Minuten getragen werden, um einen richtigen Eindruck von ihnen zu bekommen. Ausnahme: Man merkt bereits beim Anziehen, dass es irgendwie drückt oder scheuert – fühlt sich der Schuh bei der Anprobe unangenehm an, wird es mit Sicherheit in der Natur nicht besser.

  • Die üblichen Problemzonen von Wanderschuhen sollten beachtet werden: Fersenbereich, Vorderfuß und die Schuhbreite können kritisch werden. Im Fersenbereich braucht es deswegen einen festen Sitz. Das vermindert das Risiko von Verletzungen der Achillessehne und verhindert zugleich Reibung, die zu Blasen führen kann. Auch in der Breite ist ein fester Sitz wichtig, aber es sollten gleichzeitig keine Druckstellen entstehen. Beim Vorderfuß gestaltet sich der Sitz der Zehen etwas anders, denn diese dürfen gerne ein wenig Raum haben. Zum einen, damit der beim Gehen entstehende Knick zwischen Zehen und Ballen keinen (schmerzhaften) Druck auf die Zehen verursacht. Zum anderen, damit die Zehen bei Abstiegen nicht unentwegt an die Schuhspitze stoßen.

Nicht jeder Wanderschuh passt zu jeder Gelegenheit, deswegen gibt es von Herstellerseite eine Orientierungshilfe für die Verbraucher – dabei handelt es sich um 4 unterschiedliche Kategorien.

Kategorie A

Merkmale: Leicht verstärkte Sohle, aber trotzdem flexibel, dazu flexibel um die Längsachse. Insgesamt einem normalen Schuh sehr ähnlich. Geeignet für: Wanderungen im Flachland und Mittelgebirge, eventuell sogar in den Voralpen.

Kategorie B

Merkmale: Flexible Sohle, mit deutlicher Verstärkung um die Längsachse. Gehen meistens über den Knöchel. Werden auch als "Trekkingschuhe" geführt. Geeignet für: Raueres Gelände und schmale Bergwege.

Kategorie C

Merkmale: Stark versteifte und profilierte Sohle, dazu Zehenboxen und Gummischeuerleisten. Sind stark verwindungsresistent. Geeignet für: Klettersteige, Alpinwege, Alpenwiesen bis hinauf zu Gletschern. Außerdem passend bei Trekking mit schwerem Gepäck.

Kategorie D

Merkmale: Verwindungs- und steigeneisenfest (mit integrierten Halterungen für Steigeisen oder Schneeschuhe). Werden oft als Kletterschuhe verkauft. Geeignet für: Steigeisen- oder Klettertouren, aber nicht für das Wandern.

Tipp 5: Passform prüfen beim Rucksack

Selbst bei eintägigen Wanderungen möchte man auf einen Rucksack meist nicht verzichten. Verpflegung, eine Regenjacke, eventuell ein Shirt zum Wechseln, das Erste-Hilfe-Paket, eine Wanderkarte, das Handy – selbst auf relativ kurzen Ausflügen gibt es ein Minimum an Gepäck, das man auf jeden Fall dabeihaben sollte. Und dessen Gewicht keinesfalls unterschätzt werden darf.

Deswegen ist das Fassungsvermögen eines Rucksacks auch nicht das ausschlaggebende Kriterium für einen Kauf. Wesentlich wichtiger ist vielmehr, wie gut er sich an die Körperform anpassen kann. Ein optimaler Sitz wird üblicherweise durch die Brust- und Hüftgurte erreicht:

Tragegurte am Rucksack

Der Brustgurt verhindert ein auf Dauer unangenehmes Hin- und Herschlingern des Rucksacks, wenn man in Bewegung ist. Mit dem Hüftgurt wird vor allem der Tragekomfort verbessert, indem der Rücken entlastet wird.

Wünschenswert ist eine gute Polsterung, die zumindest den seitlichen Beckenbereich schonen sollte. Ebenfalls von Vorteil ist die Verarbeitung eines atmungsaktiven Materials im Bereich des Rückens. Darüberhinaus sollte auch beim Rucksackkauf nicht das allgemeine Motto vergessen werden: "Weniger ist oftmals mehr". Natürlich kann problemlos ein Rucksack mit einem Fassungsvermögen von deutlich über 50 Kilogramm gefunden werden, in dem es möglich ist, wirklich alles zu verstauen, was wichtig erscheint. Die Frage bleibt allerdings, ob ein Rucksack in dieser Größenordnung überhaupt notwendig ist. Größere Füllmengen erhöhen nur die Versuchung, mehr als nötig mit auf die Wanderung zu nehmen. Auf Tagestouren ist ein Volumen von 25 bis 30 Litern vollkommen ausreichend.

Tipp 6: Kleidung an die Wanderziele anpassen

Es gibt inzwischen keinen Körperteil mehr, für den es nicht ein spezielles, eigens für das Wandern entwickeltes Bekleidungsstück gibt. Das mag in manchen Fällen mehr oder weniger sinnvoll erscheinen; eine grundsätzlich ausreichende Ausstattung könnte daher wie folgt aussehen:

Wandern alleine, gut gerüstet
  • Wandersocken: Sie sollen vor allem Reibungen und ein Rutschen der Füße im Schuh verhindern. Extra-Tipp: Da es aber trotzdem oft genug die Socken selbst sind, die diese Reibung verursachen, kann man mit ein paar Nylonstrümpfen aushelfen. Trägt man diese unter den Wandersocken, sind die Füße absolut sicher.
  • Wanderhose: Je nach den Umständen der Wanderung hat man hier die Wahl zwischen unterschiedlichen Stoffkategorien. "Normale" Hosen zum Wandern bestehen aus einem leichten, schnell trocknenden Polyamid. Für schwierigere Bedingungen bieten sich hingegen Hardshell-Hosen an, da sie robuster sind und vor allem bei Niederschlägen helfen. Dazwischen liegen Softshell-Hosen, die durchaus in der Lage sind, den Träger vor Kälte und leichtem Regen zu schützen, dabei aber nicht so schwer sind.
  • Jacken: Bei der Oberbekleidung möchte man die goldene Mitte zwischen "für alle Eventualitäten gewappnet" und "möglichst wenig Gewicht" finden. Dafür eignen sich, wie bei den Hosen, Softshell-Jacken gut. Sie bieten ein ordentliches Gleichgewicht zwischen Wärmen aber nicht ins Schwitzen bringen und Schutz vor leichteren Regenfällen. Nicht nur in Herbst und Winter empfiehlt es sich allerdings trotzdem, eine Hardshell-Jacke in der Hinterhand zu haben, falls die Wetterbedingungen sich weiter verschlechtern.
  • Funktionsshirts: Eine gute Wahl für grundsätzlich alle Sportler, die im Freien unterwegs sind – sie sind leicht, transportieren sehr gut den Schweiß nach außen und trocknen gleichzeitig schnell. Bei milden Temperaturen alleine ausreichend, ansonsten ein empfehlenswerter First-Layer für das bewährte Zwiebelprinzip.

Tipp 7: Safety First

Unabhängig davon, was an Kartenmaterial, Verpflegung oder sonstigem Zubehör mitgeführt wird, in jedem Fall sollte für ausreichend Platz gesorgt werden, um im Rucksack noch ein Erste-Hilfe-Set unterzubringen. Das kann, muss aber nicht, gleichzeitig als Reiseapotheke fungieren, dient aber vor allem dazu, kleinere Wehwehchen und Verletzungen unterwegs sofort behandeln zu können. Als Grundausstattung ausreichend sind:

  • Wundpflaster für kleinere Wunden
  • sterile Wundverbände für größere Wunden oder Druckverbände
  • Verbandpäckchen für Stütz- und Druckverbände
  • Schere
  • Alkoholtupfer oder Iod zum Desinfizieren von Wunden

Darüber hinaus können nach Belieben oder Sicherheitsbedürfnis Sport-Tapes zum Fixieren von Verstauchungen oder ähnlichen Verletzungen, Blasenpflaster, eine Pinzette zum Entfernen von Splittern und als Schutzmaßnahme Vinylhandschuhe oder ähnliche Produkte mitgenommen werden. Um schnell und einigermaßen umfassend reagieren und verletzte Personen versorgen zu können, ist ein derart bestücktes Erste-Hilfe-Set aber absolut hinreichend.

Sag uns deine Meinung